Indexing in den Naturwissenschaften II: Nutzer und Art der Nutzung

Dass ein gutes Register im Bereich Naturwissenschaften immer aus beiden Eintragstypen – Stich- und Schlagworten – bestehen sollte, ergibt sich auch aus den folgenden Feststellungen, die eigentlich auf jedes Register zutreffen:

  • Es gibt nicht den Leser, sondern mindestens zwei Typen: Neulinge auf dem Gebiet, das im Werk (Buch/Zeitschrift) behandelt wird, und Experten; beiden muss ein Index gerecht werden.
  • Gerade ein Neuling braucht möglichst viele Zugänge zum Stoff, denn er weiß evtl. nicht, wie ein Thema, das ihm durch den Kopf geht, im betrachteten Buch bezeichnet wird. Also sollten Schlagworte (z. B. Synonyme) ihn hinführen.
  • Der Experte erwartet hingegen, dass ein Buch zum Thema X auch alle wichtigen Begriffe, die dazu gehören, behandelt und dass diese im Index auftauchen (Stichworte).

Diese Punkte sollten dem Indexer beim Finden und Erzeugen von Haupteinträgen bewusst sein. Doch auch bei den Untereinträgen – und das ist vielleicht viel wichtiger, auf jeden Fall viel komplexer – muss auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Neulingen und Experten Rücksicht genommen werden. Ein Neuling kennt die hierarchische Struktur eines Gebiets noch nicht und kann daher evtl. mit einem Eintrag der Art „Green’s function, advanced  301“ nicht viel anfangen, dagegen bietet vielleicht ein Eintrag der Art „Green’s function, and collision processes  300-303“ (Beispiele aus einem Buch zur Quantenmechanik) genau das, was er sucht. Worin unterscheiden sich beide Einträge? Beim ersten wurde der Untereintrag nach dem Hierarchieprinzip gebildet: „advanced“ ist eine spezielle Sorte der Green’s function. Beim zweiten Eintrag dagegen liefert der Untereintrag eine Zusatzinformation zum Einordnen des Hauptthemas: Green’s function im Zusammenhang mit „collision processes“. Schaut man im Text nach, so stellt man fest, dass „collison processes“ die Überschrift des Kapitels ist, in dem die Green’s function auftaucht. „collison processes“ ist – wie u. a. in Do Mi Staubers schönem Buch „Facing the text“ ausgeführt – ein Local Main Topic.

Local Main Topics als Unterthemen in einen Indexeintrag aufzunehmen, zeigt Zusammenhänge, wirft einen integralen Blick auf den Text. Und das ist für Neulinge sehr hilfreich. Experten dagegen wollen eher die speziellen Eigenschaften eines Begriffs, möglichst sauber hierarchisch eingeordnet, aufgezeigt bekommen. Mehr dazu im Abschnitt „Bildung von Unterthemen/Untereinträgen“ (s.u.).

Es gibt nicht die eine Art und Weise, wie Leser einen Index verwenden. Man kann grundsätzlich zwei verschiedene Bedürfnisse von Index-Nutzern unterscheiden:

  • das Bedürfnis, einen Begriff zu suchen, von dem man nicht weiß, ob er im Text behandelt wird („Entdeckungssuche“). Dies stellt an den Registermacher die Forderung, möglichst viele Zugänge zu einem Thema zu schaffen, u.a. durch Aufnahme von Schlagworten.
  • das Bedürfnis, einen Begriff wiederzufinden, über den man bei einem früheren Lesen des Textes gestolpert ist („Erinnerungssuche“). Dies bedeutet, dass möglichst alle wichtigen im Text genannten Begriffe, so wie sie dort geschrieben sind (= Stichworte), ins Register wandern.

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