Indexing in den Naturwissenschaften IV: Register für den Leser. Und was ist mit dem Autor?

Die goldene Regel des Registermachens, dass nämlich ein Register für den Leser da ist, gilt auch in den Naturwissenschaften. Doch die Erfahrung zeigt, dass Autoren sehr empfindlich reagieren können, wenn sie das Gefühl haben, ihre wissenschaftliche Leistung würde im Index nicht genügend gewürdigt, würde vielleicht aus zu viel Rücksicht auf den Leser verwässert. Daher gilt in den Naturwissenschaften: Der Indexer muss sich loyal zum Autor und dessen „Botschaft“ verhalten, er muss versuchen, auch im Index das rüberzubringen, was der Autor in mühevoller Arbeit im Text vermitteln möchte. Autoren haben oft ganz eigene, nicht selten etwas abstruse Vorstellungen davon, wie ein Index erstellt wird und wie er aussehen soll. Das Problem ist: Sie haben eine Vorstellung. Ein guter Indexer muss sich in den Stoff vertiefen, muss ihn möglichst gut verstehen können. Er muss sich nicht unbedingt in einen Autor hineinversetzen, aber er muss verstehen, um was es im Buch geht, denn nur dann klappt der Spagat: Begriffe und Bezeichnungen für Haupt- und Untereinträge finden, wie der Autor es sich vorstellt, und gleichzeitig sich so in den Leser hineinversetzen, dass auch solche Begriffe in das Register hineinwandern, auf die der Autor wahrscheinlich nie kommen würde. Einem naturwissenschaftlichen Register merkt man sofort an,

  • wenn es vom Autor selbst
  • oder von jemandem erstellt wurde, der beim Lesen des Textes fachlich ins Schwimmen geraten ist.

Ganz allgemein gesagt, fehlen im ersteren Fall viele allgemeinere Begriffe (v.a. Synonyme), im zweiten Fall fehlen viele Verweise zwischen Stichworten, und weitere Begriffe aus dem zum Gebiet gehörenden kontrollierten Vokabular fehlen erst recht.

In den Naturwissenschaften sind wahrscheinlich alle Autoren und Herausgeber der Meinung, nur sie selbst könnten ein vernünftiges Register zu ihrem Buch erstellen. Wenn dann doch ein Profi-Indexer zum Zug gekommen ist, wollen die meisten Autoren und Herausgeber das Ergebnis sehen.

Der Austausch zwischen Indexer und Autor/Herausgeber geschieht in den seltensten Fällen direkt. Praktisch immer ist der Lektor oder Hersteller des Verlages zwischengeschaltet. D.h. aber auch, dass man als Indexer das, was man dem Autor/Herausgeber vermitteln möchte, vor allem durch die Begriffswahl und Struktur des Index selbst ausdrückt. Natürlich gibt es auch immer die Möglichkeit, das Vorgehen zusätzlich in einem Begleitschreiben zu erläutern.

Nur selten sind Autoren und Herausgeber wirklich mit dem Index zufrieden. Erstaunlich ist, dass sie in der Beurteilung von Registern meist sehr gut sind, aber daran scheitern würden, ein objektiv betrachtet gutes Register selbst zu erstellen. Es ist wie bei vielen anderen Dingen auch beim Registermachen ein Unterschied, etwas theoretisch verstanden zu haben oder in der Praxis umzusetzen.

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