Indexing in den Naturwissenschaften V: Allgemeines Vorgehen bei Auswahl der Begriffe

Frage: Muss das Werk, zu dem der Index erstellt wird, komplett gelesen werden?

Darauf gibt es keine klare Antwort.

Meiner Erfahrung nach muss ein naturwissenschaftlich-technisches Werk  nicht Wort für Wort gelesen werden, denn in vielen Texten dieser Art gibt es zahlreiche optische Anker, an denen man sich als Indexer festhalten kann.

Das beginnt bei den Überschriften, die üblicherweise sehr aussagekräftig und die in einen hierarchischen Aufbau (oft durch entsprechende Nummerierung gekennzeichnet) eingebettet sind.

Des Weiteren sind als Anker zu nennen: sämtliche Hervorhebungen im Text, also z. B. Kästen (und insbesondere ihre Überschriften), Tabellen (und insbesondere ihre Überschriften), Bildunterschriften, Grafiken (und ihre Inschriften), Passagen, die als Definitionen oder Beispiele gekennzeichnet sind, Kursivschreibungen im Text.

Bei naturwissenschaftlich-technischen Werken sind – zusätzlich zu den Überschriften – auch die Texte in sich meist strukuriert: oft ist ein neuer Absatz mit der Beschreibung eines neuen Gedankens verbunden. Und das merkt man sehr schnell beim Anlesen eines Absatzes. Um registerrelevante Begriffe zu finden, ist es also hilfreich, mit dem Auge von einem Absatzbeginn zum nächsten zu springen und jeweils kurz hineinzulesen.

Das gerade Beschriebene trifft auf Texte zu, die vor allem Phänomene, Gesetzmäßigkeiten und Methoden beschreiben, und das auf hohem wissenschaftlichen oder technischem Niveau. Ein Kennzeichen solcher Texte ist ein hoher Anteil an mathematischen Formeln.

Geht es in einem wissenschaftlich-technischen Werk dagegen hauptsächlich um stoffliche Fakten, wie es bei chemischen, biologischen oder pharmazeutischen Texten oft der Fall ist, kommt der Indexer nicht daran vorbei, den jeweiligen Text detailliert durchzusehen, also zu lesen. Denn sonst würden wesentliche Themen nicht in den Index wandern.

Manchmal wendet sich ein wissenschaftliches Buch an ein breiteres Publikum – man könnte von einem gehobenen Sachbuch sprechen –, was ein Wissenschaftsautor nur schafft, indem er alles ausführlich beschreibt und kaum Fakten bringt. Es liegt auf der Hand, dass der Index zu einem solchen Buch nur erstellt werden kann, wenn man den Text komplett liest.

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