Indexing in den Naturwissenschaften VI: Buchtypen und Auswahl der Begriffe

Im Grunde lassen sich in den Naturwissenschaften drei große Typen von Büchern unterscheiden:

  • Lehrbücher,
  • Monographien und
  • Nachschlagewerke.

Die Register sollten dem jeweiligen Typ angepasst sein und werden sich daher teilweise deutlich voneinander unterscheiden. Schlagworte, die Zusammenhänge deutlich machen, sind insbesondere bei Lehrbüchern sinnvoll und hilfreich.

Monographien und Nachschlagewerke

Monographien und Nachschlagewerke zeichnen sich durch die Fülle an Detailinformationen aus. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, z.B. Begriffe aus Tabellen und Grafiken aufzunehmen (s. a. unten). Der Indexer muss hier ein Gefühl dafür haben oder bei der Beschäftigung mit dem Inhalt entwickeln, welche Einzeldaten dieses Werk gegenüber anderen Werken auszeichnen, was die Herausstellungsmerkmale sind, wo der Autor sich ganz besondere Mühe gegeben hat. Rücksichtnahme auf den Autor ist also ein wichtiger Punkt. Und es wird in den meisten Fällen auch so sein, dass die Rücksichtnahme auf den Autor gleichzeitig dem Leser entgegenkommt. Autoren wissen zwar nicht immer, ob und wie sie die Bedürfnisse der Leser treffen, aber für einen Registermacher in den Naturwissenschaften ist es gerade bei Monographien und Nachschlagewerken ein Kernpunkt, sich die Motivation des Autors, weshalb er das Buch geschrieben hat, klar zu machen. Das kann dann durchaus dazu führen, dass man auf manchen Seiten, die besonders dicht mit wichtigen Informationen gefüllt sind, mehr als die eigentlich für das Werk veranschlagten Begriffe pro Seite (Standardwerte sind 4 bis 5) ins Register aufnimmt (mehr zum Thema „Begriffe pro Seite“, also zur sog. Fundstellendichte ist im Beitrag Indexingtiefe zu finden). Die Kunst besteht darin, trotz des begrenzten Registerplatzes alle wichtigen Begriffe aufnehmen zu können. Das wird in manchen Fällen nur zu schaffen sein, wenn mit genügend Schlagworten, also Begriffszuweisungen, gearbeitet wird, die vorhandene Einzelinformation unter dem richtigen „Dach“ zusammenfassen. Diese Zuweisungen müssen selbstverständlich so gewählt sein, dass der Autor die Fachkompetenz des Indexers erkennt und akzeptiert.

Lehrbücher

Der Detailreichtum in Monographien und Nachschlagewerken ist üblicherweise viel größer als in Lehrbüchern. Letztere wollen meist weniger Stoff vermitteln, sondern vielmehr große Zusammenhänge in Form von Methoden und Konzepte. Daher haben die Register zu Monographien und Nachschlagewerken grundsätzlich einen größeren Anteil am Gesamtumfang als die Register zu Lehrbüchern. Schaut man sich entsprechende Bücher an, so ist das auch meistens der Fall. Zumindest ist die Zahl der Fundstellen relativ zum Textumfang in Monographien und Nachschlagewerken oft höher als bei Lehrbüchern – wenn man Bücher innerhalb eines Gebiets (wie der Physik) miteinander vergleicht. Allerdings fällt das meistens nicht auf den ersten Blick auf, weil die Indexe zu Monographien und Nachschlagewerken in der Regel von den Autoren/Herausgebern selbst erstellt werden und daher vor allem einen Fehler aufweisen: es gibt relativ wenige Untereinträge, dafür aber lange Ketten von Seitenverweisen (Seitenzahlbandwürmer“) – was aber zu einem sehr kompakten Register führt, das nur wenige Druckseiten beansprucht. Bei Lehrbüchern wird dagegen auch im Register Wert auf Didaktik gelegt und allein deswegen werden häufiger Haupteinträge durch die Bildung von Untereinträgen zusätzlich beschrieben oder erklärt. Das kostet natürlich Platz und führt – auch wenn die Zahl der Fundstellen (also letztlich der Registereinträge und Seitenverweise) verhältnismäßig klein ist – zu einem langen Register (das viele Druckseiten beansprucht). Bei Registern zu Lehrbüchern lassen sich Autoren gerne helfen – wenn nicht von einem Profi-Indexer, dann aber doch von einer anderen Person, die ganz anders als der Autor auf den Text schaut, nämlich viel eher so, wie es die späteren Leser tun. Lehrbücher haben üblicherweise eine deutlich höhere Druckauflage als Monographien, was – und das ist ein durchaus entscheidender Punkt – dem Verlag einen höheren Umsatz bringt und ihn so in die Lage versetzt, mehr Geld für die Registererstellung auszugeben. Heute werden daher für Lehrbücher häufig Profi-Indexer engagiert. Sogar in Deutschland.

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