Indexing in den Naturwissenschaften VII: Tabellen, Grafiken, Inhaltsverzeichnisse

Tabellen

Viele Autoren legen großen Wert darauf, Begriffe aus Tabellen in das Register aufzunehmen. Sie sind in der Regel stolz darauf, Daten gesammelt zu haben und in Tabellenform präsentieren zu können. Selbst wenn zu einem einzelnen Datum nichts weiter erklärt wird, so steckt wahrscheinlich eine große Mühe dahinter, Zahlen und Zusammenhänge in Tabellenform zu packen. Es ist für einen Profi-Indexer daher wichtig, die Bedeutung einer Tabelle im Gesamtkontext des Werkes richtig einzuschätzen. Wenn genügend Platz für das Register vorhanden ist, dann sollten sämtliche Hauptbegriffe einer bedeutenden Tabelle in das Register aufgenommen werden! Andrerseits wird es einem Autor oder Herausgeber immer vermittelbar sein, die Begriffe einer Tabelle komplett wegzulassen, wenn der Registerplatz beschränkt ist. Begriffe aus dem Text, zu denen inhaltlich etwas ausgesagt wird, stehen in der Priorität für die Aufnahme in das Register höher als Tabellenbegriffe. Im Falle von Platzproblemen könnten und sollten allerdings wenigstens Begriffe aus der Tabellenüberschrift in das Register aufgenommen werden. Siehe auch Wellisch S. 463 f; unten: Haupt-und Nebenfundstellen.

Eine Frage, die sich sofort ergibt: Werden Locators, die zu Tabellenbegriffen gehören, optisch auf irgendeine Weise hervorgehoben und damit von anderen Fundstellen abgehoben? Antwort: normalerweise nicht, d. h., sie werden wie Textfundstellen behandelt. Aber man könnte sie, wenn es didaktisch sinnvoll wäre, natürlich durchaus hervorheben, z. B. indem der Seitenzahl ein kleines „t“ nachgestellt wird.

Grafiken

Naturwissenschaftliche Literatur enthält in der Regel zahlreiche Grafiken, in denen meist registerrelavante Information zu finden ist. Eine Frage, die dann sofort im Raum steht: Wenn ein Begriff gleichzeitig im Text auf einer Seite und in einer Grafik auf derselben Seite auftritt, welche Fundstelle soll dann ins Register aufgenommen werden? Ist es überhaupt wichtig, die Arten der Fundstelle zu unterscheiden? Um letztere Frage zuerst zu beantworten: nein, im Grunde nicht, denn der Leser muss in erster Linie zu der betreffenden Seite geführt werden. Wenn ein Buch aber z. B. ein großes Format hat und der Text eventuell noch zwei- oder dreispaltig läuft, kann es sehr hilfreich sein, den Leser durch eine spezielle Kennzeichnung gleich zu einer Grafik auf der Seite zu schicken. In der Regel werden Bildfundstellen (also solche zu Grafiken und Fotos) im Register kursiv wiedergegeben, Fundstellen im Text dagegen steil. Entscheiden sollte man sich aber immer für die wichtige (und damit auch richtige) Fundstelle: Wenn im Text zum Begriff erklärende und/oder ergänzende Aussagen gemacht werden, dann ist die Textfundstelle wohl die richtige. Wenn der Begriff im Text aber einfach nur kurz erwähnt wird, dann ist das Bild die richtige Fundstelle, wobei der Begriff sowohl in der Grafik selbst als auch in der zugehörigen BU stehen kann, beide Male würde die Fundstelle als Bild-Fundstelle gewertet und dementsprechend im Register kursiv geschrieben werden.

Eine ganz andere, aber ebenfalls wichtige Frage ist, wie es mit den Seitenverweisen aussieht, wenn eine Abbildung (Grafik oder Foto) über mehrere Seiten geht oder wenn sie sich auf einer anderen Seite befindet als die Bildunterschrift. Antwort: prinzipiell immer so verfahren wie bei Textfundstellen, also z. B. durchaus einen Seitenbereich nennen!

Inhaltsverzeichnisse (IHV)/Überschriften

Die Frage nach der Rolle des IHV ist immer die Frage nach der Rolle der Überschriften.

Mir ist nicht bekannt, weshalb es so ist, aber es ist so: Viele Autoren (und auch Verlagsmitarbeiter) sind der Meinung, Inhaltsverzeichnis und Register sollen inhaltlich disjunkt zueinander sein, d. h., alle Begriffe, die im IHV zu finden sind – also im Grunde alle „großen“ Überschriften – sollen möglichst nicht ins Register aufgenommen werden. Fehlen sämtliche registerrelevanten Begriffe aus Überschriften, wird das Register jedoch zu einer Nebenrolle degradiert, und es stehen einige Möglichkeiten der Texterschließung im Register nicht zur Verfügung. Die eigentlich wichtigen Arrays (Nester), die der Leser im Register erwartet, können auf diese Weise nicht gebildet werden. Es kommt ein im Grunde unbrauchbares Register heraus.

Argumente für die Aufnahme von Begriffen aus Überschriften:

  • bei Fachbüchern stecken gerade in den Überschriften die eigentlich wichtigen Begriffe.
  • Programme zum Indexieren von Webseiten basieren genau auf dieser Annahme und nehmen automatisch alle Begriffe aus (mit entsprechenden Formatvorlagen formatierten) Überschriften in den Index auf.
  • Vergleichbares gilt für E-Book-Programme, die eine Funktionen zur Registererstellung haben.
  • D. h., Programmentwickler nutzen schon immer die besondere Bedeutung der Überschriften und somit des IHV zum (mehr oder weniger automatischen) Finden registerrelevanter Fundstellen.

IHV und Index sollten sich ergänzen, und zwar so, dass die Gesamtmenge der Zugänge zum Inhalt des Werkes eine große Schnittmenge umfasst. Beide sollten grundsätzlich denselben „Stoff“ auf unterschiedliche Weise anbieten: das IHV hierarchisch, der Index alphabetisch. Natürlich darf ein Index nicht einfach ein in alphabetischer Reihenfolge präsentiertes IHV sein. Ein guter Index enthält immer (deutlich) mehr Begriffe als ein IHV.

In der Praxis ist es sehr vorteilhaft, zunächst das IHV nach brauchbaren Begriffen für das Register zu durchforsten. Dabei lernt man die Struktur des Werkes in Form der sog. Local Main Topics  gut kennen. Und das ist ein entscheidender Punkt beim Registermachen: Es geht darum, Zusammenhänge zu erkennen und zu sehen, welche Schwerpunkte der Autor gesetzt hat.

Achtung: Es sollen natürlich keine Seitenverweise auf das IHV in ein Register aufgenommen werden, sondern lediglich Begriffe aus den Überschriften der Kapitel und Unterkapitel, die in übersichtlicher und kompakter Form in einem IHV präsentiert werden. Man könnte beim Registererstellen auch das IHV überspringen und die registerrelevanten Begriffe erst beim Lesen der Überschriften im Text finden, aber wenn man das IHV auswertet, hat man – wie gesagt – schon ein gutes Gefühl für das, was einem im Buch erwartet. Die Seitenverweise der Begriffe aus Überschriften gehen immer zu den Fundstellen der Überschriften im eigentlichen Text!

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