Indexing in den Naturwissenschaften XI: Bildung von Unterthemen/Untereinträgen

Die Bildung von Untereinträgen (Subheadings) ist bei allen Registern unabhängig vom Fachgebiet, der schwierigste Teil der Arbeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Naturwissenschaftlern, die einen Index erstellen wollen, die folgende Denkweise gut vermitteln lässt.

Subheadings können im Prinzip nach zwei Kriterien ausgewählt werden:

  • Hierarchieprinzip: ein Thema kann zerlegt werden: „atomisierender“ Blick auf den Text.
  • Kontextprinzip: man kann einen Kontext zum Thema suchen: integraler Blick auf den Text.

Naturwissenschaftler sind es gewohnt, die Dinge, mit denen sie zu tun haben, zu ordnen, Struktur hineinzubringen, in hierarchischen Begriffssystemen zu denken. Das gilt in besonderem Maße für die Biologie mit ihrer Systematik für Tiere und Pflanzen, es gilt auch in der Chemie, in der z. B. strenge Nomenklaturregeln die Benennung von Stoffen vorgeben. Und in der Physik existiert ebenfalls eine Ordnung, die sich z. B. im Aufbau der meisten Lehrbücher finden lässt. Solche Strukturen kann und sollte der Indexer beim Erstellen eines Registers berücksichtigen. In der Praxis heißt das, wir haben den Fall, dass der Subheading hierarchisch unter dem Mainheading steht.

Wir könnten z. B. einen Begriff aus einer Kapitelüberschrift als Mainheading (siehe Local Main Topic) nehmen und ihm einen Begriff aus der folgenden Unterkapitelüberschift als Subheading beifügen (mit der Seitenzahlangabe, die zum Unterkapitel gehört).

Auch, wenn wir nicht Überschriften betrachten, sondern den eigentlichen Text, so könnten/sollten wir versuchen, einen Begriff, der uns auf einer Seite zum ersten Mal begegnet und bei dem wir im Zuge der Indexerstellung feststellen, dass er auch auf anderen Seiten behandelt wird, in Unterbegriffe zu zerlegen. Bei Mainheadings aus dem Text, bietet es sich u. a. an, als Subheading eine Eigenschaft des Mainheadings zu nehmen, also z.B.:

nanorods, multielemental  45

Aber auch, wenn wir z.B. die Präposition „of“ in Gedanken verwenden können (Ähnliches gilt für andere Präpositionen), handelt es sich um hierarchisch untergeordnete „Eigenschaften“ des jeweiligen Mainheadings:

nanorods, surface modifications (of)  235

nanorods, synthesis (of)  330

Nach diesem Hierarchieprinzip sind sehr viele Register aufgebaut.

Wir alle wissen, dass es beim Registererstellen im Grunde darum geht, auf irgendeine Weise Zusammenhänge aufzuzeigen. Damit ein Register gut verstanden und genutzt werden kann, ist es daher von großer Bedeutung, nicht nur Hierarchien abzubilden, sondern sich bei einem Mainheading auch zu fragen, ob es nicht besser ist, ihm eine Erläuterung als Subheading beizufügen. Erläuterungen sind dazu da, die Bedeutung eines Begriffs zu erklären. Während beim atomisierenden (hierarchischen) Vorgehen der Fokus eher auf dem Subheading als Fundstelle liegt, ist es beim Kontextverfahren der Mainheading. Bei der Aufnahme des Mainheadings können wir in gewisser Weise „nach oben“ schauen, um herauszufinden, in welchem Zusammenhang im Textumfeld der Begriff steht.

Als einfaches Beispiel kann wieder ein Begriff aus einer Überschrift dienen, jetzt aber ein Mainheading, der aus einer Unterkapitelüberschrift stammt. Diesem Mainheading können wir ohne Probleme den charakteristischen Begriff aus der zugehörigen Kapitelüberschrift als Subheading zuordnen.

In einem Biochemiebuch könnte es z. B. ein Kapitel über „Metabolism“ geben und darin ein Unterkapitel, das sich mit der Rolle der Aminosäuren (amino acids) beschäftigt. Dementsprechend wäre

amino acids, metabolism and  514–515

ein guter Registereintrag, der den Zusammenhang zwischen Aminosäuren und Stoffwechsel aufzeigt, also den Mainheading „erläutert“.

(Eine an dieser Stelle nicht näher betrachtete Frage ist natürlich, ob man nicht auch

amino acid metabolism  514–515

hätte nehmen können – das kann aber nur der Text selbst entscheiden.)

Die Bildung von Subheadings nach dem Kontextprinzip ist viel schwieriger als nach dem Hierarchieprinzip. Man kann nämlich einen Mainheading sehr leicht überbestimmen. Daher sollte man sich immer fragen, ob ein Mainheading allein – ohne Subheading – existieren kann. Der klassische Fehler beim Kontextverfahren besteht darin, den Titel des Buches, also das Metatopic, als Subheading aufzunehmen: Wenn z. B. der Titel des Buches „Biophysics of Membrane Proteins“ lautet, dann darf es keinen Eintrag

structure-function analysis, membrane proteins  412

geben.

Das Kontextprinzip kommt manchmal auch automatisch ins Register hinein, nämlich beim Double Posting. In einem Physiklehrbuch wäre ein Eintrag

kinematics, velocity  48–49

durchaus sinnvoll, die Permutation

velocity, kinematics  48–49

aber sehr wahrscheinlich nicht. Hier dürfte der alleinstehende Mainheading „velocity“ ausreichen, oder man findet eine ganz andere Erläuterung zu „velocity“.

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