Indexing in den Naturwissenschaften XII: Untersuchung einiger Register

Kennzeichen von Autorenregistern

Bei der Untersuchung der Register einiger naturwissenschaftlicher Werke unterschiedlicher Verlage kam ein Ergebnis heraus, dass sich voll und ganz mit meinem Erfahrungswert deckt: Bei den von den Autoren/Herausgebern selbst erstellten Registern

registervergleich_mit_fussnoten

Bild 1: Analyse von Lehrbuchregistern

Aus meiner Erfahrung sind besonders zwei Punkte den meisten Autoren/Herausgebern als Indexern völlig fremd:

  • das Bilden von Untereinträgen unter Berücksichtigung von übergeordneten Konzepten (integrierende Vorgehensweise, Kontextprinzip)
  • der Einsatz von Double Postings.

Diese beiden Punkten fehlen in Autorenregistern praktisch immer (siehe Tabelle) und an diesen Punkten kommt es fast immer zu Diskussionen, wenn Autoren das von einem Profi-Indexer erstellte Register zur Prüfung vorgelegt bekommen. Der Indexer sollte aber versuchen, dem Autor gegenüber hart zu bleiben und ihm zu vermitteln, dass die Aufnahme von Kontexten und der Einsatz von Double Postings dem Leser sehr hilft. Natürlich wird der Versuch nur gelingen, wenn das Register in sich konsistent ist.

Die Aufnahme von Merkmalhinweisen, also z. B. „t“ für „Table“, „s“ für „summaray“, „d“ für „definition“ oder „b“ für „basic“ findet sich in nur wenigen Registern. Es fällt auf, dass die beiden von Profi-Indexern erstellten Register solche Merkmale mitführen. Allerdings sind Merkmalhinweise nicht immer für den Leser hilfreich, manchmal überfrachten sie ein Register. Ob ihre Aufnahme sinnvoll ist oder nicht, hängt von den Besonderheiten des jeweiligen Buches ab (z. B. ob viele Infografiken enthalten sind oder Definitionen eine große Rolle spielen usw.), außerdem muss bedacht werden, dass diese didaktischen Zusatzinformationen Platz kosten (der evtl. nicht vorhanden ist).

Unterschiede zwischen den Gebieten Physik, Chemie, Biologie

Die klassische Unterscheidung zwischen den naturwissenschaftlichen Disziplinen spiegelt sich auch in den Registern wider: Die Tabelle zeigt deutlich, dass die Indexe zu einführenden Lehrbüchern der Chemie und Biologie deutlich länger sind als die zu Lehrbüchern der Physik. So hat bei dem Grundlagenlehrbuch Mortimer/Müller „Chemie“ der Index einen Anteil von 8,4 % am Gesamtumfang, bei den einführenden Lehrbüchern Tipler „Physik“ oder Wolfson/Pasachoff „Physik“ dagegen nur einen Anteil von knapp 2 %. Trotz des kleinen Anteils (zu bedenken ist, dass die absolute Seitenzahl der Register nicht klein ist!) entsprechen die beiden Physik-Indizes durchaus den meisten Kriterien des guten Indexierens. Alle drei genannten Indexe arbeiten z.B. mit Untereinträgen, Double Postings und Querverweisen. Die beiden – wesentlich kürzeren – Physik-Indexe sind sogar in einer Hinsicht besser als der längere Chemie-Index: Sie bieten auch Kontexte als Untereinträge, sind also nicht nur nach hierarchischen Kriterien aufgebaut. Die beiden kürzeren Indexe sind also zumindest auf den ersten Blick nutzerfreundlicher als der lange! Aber die Nutzerfreundlichkeit hängt natürlich davon ab, was der Leser erwartet und/oder benötigt. Und genau darin unterscheiden sich die Gebiete.

Der Grund für diesen Effekt liegt auf der Hand: In Chemie und Biologie geht es – keineswegs nur, aber vor allem – um anfassbare Stoffe im weitesten Sinne, in der Physik dagegen in erster Linie um Konzepte und Methoden. Bei Letzeren ist es wichtig, auch im Register Zusammenhänge zwischen Begriffen zu erkennen; bei Stoff-Fakten spielen Zusammenhänge eine untergeordnete Rolle; dagegen ist wichtig, dass sie überhaupt im Register auftauchen – hier wäre ein Fehlen fatal. Typische Stellen in Lehrbüchern, die diesen Unterschied deutlich machen, sind Tabellen: in Physiklehrbüchern dienen Tabellen meist nur dazu, dem Studenten einen ersten Eindruck vom Faktenreichtum, den es natürlich auch in dieser Disziplin gibt, zu vermitteln. In Chemie- und Biologie-Lehrbüchern sind tabellenartig angeordnete Informationen dagegen ein wesentlicher Bestandteil des grundlegenden Stoffs. Daher können und sollen bei Chemie- und Biologie-Lehrbüchern Tabelleninhalte ins Register aufgenommen werden (wenn der Platz es zulässt).

Bei gehobenen Lehrbüchern oder Monographien sieht die Index-Situation meist ganz anders aus: Hier geht es unabhängig vom Fachgebiet üblicherweise um viele wichtige Einzelheiten, um Fakten eben; Konsequenz: die Längen der Indexe in den verschiedenen Disziplinen unterscheiden sich bei diesen Buchtypen kaum voneinander.

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